Neulich auf der Fame…

…oder aber in Stuttgart ticken die Uhren anders.

Am vergangenen Wochenende traf ich am Freitagabend spontan die Entscheidung mich der Delegation der Abgesandten aus dem Land des Spasses und der Glücksseligkeit (damit wäre in diesem Fall das Rheinland gemeint) zu einem Trip ins Schwabenländle, genauer gesagt zur Fame im N-Pir in Stuttgart über das Wochenende anzuschließen.
Direkt mit drei Wagenladungen voller Freunde und Bekannte setzten wir uns in Marsch am Samstag um die Schwaben mit unserer Anwesenheit zu beglücken und gleichzeitig Promotion für das Highlight des kommenden ColognePride, die Colour (ihres Zeichens die größte schwul-lesbische Party auf deutschem Boden), zu machen. DJ R.o.n.y. welcher den offiziellen Track zum Event beigesteuert hat legte übrigens auch an dem Abend als Gast DJ auf, ebenfalls ein Import aus dem Rheinland sozusagen. So gesehen konnte eigentlich im Land der “schaffe, schaffe Häuslebauer” nichts schiefgehen.

Mit von der Partie waren u. a. Flash-G, Busy Man, Tough Guy komplettiert von einer weiteren Schar unseres lustigen Völkchens. Ein Teil war schon einmal vorgefahren und Flash-G, Busy Man und meine Wenigkeit fuhren erst am Samstagnachmittag los, so daß wir am frühen Abend in der Stadt mit dem Stern (Mercedes-Benz hat dort ein großes Werk), des einzigen alltagstauglichen Sportwagens der Welt (Porsche sitzt vor Ort in Zuffenhausen) und der Firma die den Funken überspringen läßt (Bosch ist ebenfalls in Stuttgart beheimatet) ankamen.
Was zunächst auffiel, Stuttgart (in etwa so groß wie Düsseldorf, Essen, Dortmund oder Duisburg) wirkte sehr sauber und ordentlich, ausserdem ist das Wort “Finanzkrise” anscheinend ein Fremdwort, vom ersten Eindruck den die Stadt hinterläßt. Man scheint dort insgesamt recht wohlhabend zu sein, was man auch an den recht “ordentlichen” Getränkepreisen nachher im N-Pir merkte im Vergleich zu vielen Locations in NRW.

Nach einem kurzen Zwischenstopp zwecks Check-in im Hotel und um sich ausgehfein zu machen trafen wir recht früh vor Beginn der Party im N-Pir ein, der Promostand mußte noch vorbereitet und die Location geschmackvoll mit unseren Plakaten dekoriert werden.
Für etwas Verwirrung sorgte die Aussenreklame der Location, denn dort stand M-Pir und nicht N-Pir (wie auf allen Flyern und der Website der Party), so daß wir erst einmal ein paar umstehende, frühzeitig! erschienene Gäste fragen mußten ob wir denn auch hier richtig seien, zumal das Gebäude als solches recht unscheinbar wirkt, versteckt in einem Industriegebiet liegt und der Eingangsbereich mit Vorhalle (ausserdem Heimat einer der drei Areas) eher den Charme einer kanadischen Holzfällerhütte versprüht und dementsprechend “beplankt” war.

Was man als erstes festhalten muß, von der Veranstalterseite her war man sehr um uns bemüht und hat uns bewiesen wie gastfreundlich die Schwaben sind, von der Seite hatten wir keinen Grund zur Klage, im Gegenteil wir hätten es kaum besser haben können. Großes Lob und Dank!

Dann folgten die landestypischen Gepflogenheiten Schlag auf Schlag was für manche Überraschung sorgte. Die Party startet offiziell ab 22.30 h und ab 22.20 h wurde Einlass gewährt. Schon kurze Zeit darauf stand eine Riesenschlange vor der Tür, was für etliche Gäste gut und gerne mit mindestens einer Stunde Wartezeit verbunden gewesen sein dürfte. Eine Stunde später war die Mainarea recht gut gefüllt und die gesamte Location (mit insgesamt drei Areas sowie mehreren Thekenbereichen) schon ordentlich belebt.

Interessanter Weise wird hier ein anderes Konzept als üblich (zumindest was NRW und Berlin, wahrscheinlich auch andere Gegenden von Deutschland betrifft) gefahren. Bis gegen Mitternacht lief eher gedämpftere Musik bis die Location rappelvoll war und dann wurde quasi die Party eröffnet in Form von diversen Showeinlagen und die DJ´s legten von da ab erst richtig los.

Mit anderen Worten, der Beginn der Party hatte zuerst den Touch einer überdimensionierten Cocktailparty. Apropos Showeinlagen, das Opening der Party machte dann ein Walking Act im animalischen Teufelskostüm in Lack verziert mit einem Phallus der an einen Widerhaken erinnerte (in der linken Sidebar des Blogs sieht man im derzeitigen Auszug aus dem Flickr-Fotostream einige Fotos davon und alle Fotos zum Event die ich geschossen habe finden sich bei Inqueery), gefolgt von einer Danceperformance die dann etwas Schwung in die Menge brachte.
Im weiteren Verlauf des Abends folgte dann zu unserem Erstaunen eine Rhythmgroup, liest sich klasse war aber nicht mehr als eine Trommlergruppe die so begeistert von sich waren das die Darbietung keine Ende zu nehmen schien. Als das überstanden war ging´s dann zur Freude unserer “Delegation” endlich mit einer der Party angemessenen Musik weiter.

In NRW insbesondere im Rheinland, Ruhrgebiet, Bergischen und Münsterland ist man es gewöhnt, daß das Schlangestehen bei einer Party erst zwischen 23.30 – 0.00 h losgeht und der Ort des Geschehens dann so in der Zeit von 0.30 – 01.00 h voll wird bzw. ist, in Berlin wie ich festgestellt habe auch gerne das Ganze um eine Stunde nach hinten verschoben zu den eben genannten Zeiten.
Die Schwaben sind halt überpünktlich wie es scheint, nun gut dort ist die Auswahl an Parties auch nicht so groß und wenn dann einmal ein größeres Event stattfindet will man halt nichts verpassen und direkt von Anfang an dabei sein.
Unsere Truppe, insbesondere der Teil der für die Promotion zuständig war, gab direkt Gas vom Öffnen der Türen an und wir waren auch vom Start weg gut drauf und hatten Spass ohne Ende, während die Menge noch auf die “offizielle Eröffnung” wartete und verhalten an ihren Drinks nippte. Zu dem Zeitpunkt hatten einige von uns schon einen “Pegel” erreicht, daß den Schwaben schwindelig geworden wäre. Wir sind halt ein wenig schneller wie es den Anschein hat.

Was rein geht muß auch wieder raus und das ist im N-Pir ein echtes Problem. Die Toilettenschlange erstreckt sich bis in die dritte und kleinste Area und schlimmer noch, es gibt trotz der relativ großen Location und den zahlreichen Besuchern auch nur diese eine Möglichkeit. Die Toiletten sind für ein Event dieser Art gnadenlos unterdimensioniert meiner Meinung nach.
Was in NRW bei den meisten schwul-lesbischen Parties völlig normal ist, Männer gehen bei uns durchaus auch auf die Damentoilette insbesondere wenn insgesamt auf den Toiletten für beiderlei Geschlechter ein großer Andrang herrscht, war bis dato in Stuttgart unbekannt.
Ich habe das dann einmal geändert und eine “Lehrstunde” erteilt wie wir das bei uns Zuhause in NRW so machen, anstatt Schlange zu stehen bis die Blase platzt – einige Wartende hatten zumindest schon einen sehr verkniffenen Gesichtsausdruck.

Habe ich schon die erste Area in der Nähe des Eingangs erwähnt? Diese versprühte den eisigen Charme eines Kühlschranks, temperaturmäßig war es auch dort gefühlt so, denn diese Area liegt im Vorbau welcher sich nicht wirklich aufheizt und nur mit zunehmender Besucherzahl nicht mehr Gefrierfach sondern normale Kühlschranktemperaturen erreicht. Im Sommer ist das sicherlich angenehm, aber noch sind die Nächte kühl…
Musikmäßig ist für die meisten Geschmäcker verteilt über die drei Areas für viele etwas dabei, von Vocal House, Dance, Club, Pop, Charts bis hin zu Dancefloor-Classics aller Art.
Etwas befremdlich fand ich allerdings als in der Mainarea der Resident-DJ vor Ort plötzlich ein wenig übergangslos YMCA mehr oder weniger einmischte, was allerdings die Crowd fast zur Ekstase brachte und der Alkohol doch so alles möglich macht. Man lernt halt nie aus.

Des späteren Abends folgte dann noch eine Gesangsperformance einer Art Souldiva, welche mit ansprechender Stimme Dancefloor-Classics und ein wenig Vocal House zum Besten gab und die Menge anheizte. Gesang- und stimmungstechnisch gab´s nichts zu meckern, alles prima mit Ausnahme der doch für meinen Geschmack etwas zu langatmigen Darbietung. Noch ein wenig später oder früher, wie man es nimmt, folgte noch ein weiterer interessanter Walking Act in Form eines zweihörnigen Fabelwesens.

Nach und nach strich dann unsere Truppe die Segel bzw. wanderte in ihre jeweiligen Hotels ab. Schließlich hatten wir auch von Anfang an richtig Gas gegeben im Gegensatz zu den etwas gemächlicheren Schwaben, zumindest an diesem Abend gewann ich solch einen Eindruck.

Mein Fazit: Wir waren eine klasse Truppe sowie ein gutes Team und hatten jede Menge Spass, so wie es sein soll und mir hat das Wochenende gefallen. Spass ist ja auch immer was man daraus macht und da hat uns an diesem Abend keiner so schnell etwas vorgemacht, nebst weiteren Gästen die aus NRW kamen und wir per Zufall dort trafen.

Die Party ist sicherlich für eine eventtechnisch strukturschwache Gegend ein Highlight, bei uns ist man dann doch ganz andere Kaliber gewöhnt, vielleicht sind wir da auch alle ein wenig verwöhnt, mag schon sein. Zu Denken gab mir als einer der Besucher beim Erhalt eines Flyers für die Colour-Party in Köln fragte wo denn das liegen würde. Hallo, Köln zählt zu den größten Städten Deutschlands!
Wenn sich einige der Gäste zum Besuch des Kölner CSD´s entscheiden sollten und der eben genannten Colour-Party, werden Ihnen definitiv Mund und Augen offenstehen vor Staunen mit “Alice im Wonderland”-Effekt falls sie schon die Fame als beeindruckend empfinden. Von der Colour abgesehen haben wir auch so noch einige Events, die die Stuttgarter und Umland in Erstaunen versetzten würden.

Aber wie heißt es im Rheinland so schön: Jeder Jeck ist anders zudem sind die Geschmäcker verschieden und das ist gut so. ;-)

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Über Magic M.

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Posted on Montag 20. April 2009, in Event, Gay, Info, Location, Party, Photo, Show and tagged , , , , , , , , , . Bookmark the permalink. 4 Kommentare.

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