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Blogger aller Länder vereinigt euch…
…das klingt jetzt mit diesem abgewandelten Zitat vielleicht etwas hochtrabend, ist allerdings in der deutschen Blogosphäre notwendig sowie überfällig.
Um noch ein Zitat in abwandelter Form insbesondere die Blogger betreffend in den Raum zu stellen: Es muss ein Ruck durch die deutsche Blogosphäre gehen. Das meine ich wortwörtlich, warum eigentlich? Zunächst sollte dem Internetnutzer und Blogger einmal bewußt werden, “Euer Internet ist nur geborgt” wie Sascha Lobo mit klaren Worten in seiner lesenswerten Kolumne bei Spiegel Online an Beispielen vor Augen führt.
Was im Endeffekt daraus hinausläuft das man auf Gedeih und Verderb vom jeweiligen Anbieter und Social Media Dienstleister abhängig ist welcher nach seinen Bedingungen und Hausrecht jederzeit die Option hat, ob gerechtfertigt oder auch nicht, die Spielregeln zu ändern und einen auszusperren oder einzuschränken. Ich will an dieser Stelle das keineswegs verteufeln als Intensivnutzer von Facebook, Google+ und Twitter um nur einen Teil der bekanntesten Services zu nennen. Zugegebenermaßen bin ich auch froh über diese Dienste und sehe die Möglichkeiten und das Potential auch für die Zukunft in vielerlei Hinsicht. In der Regel verläuft auch vieles zur Zufriedenheit der Nutzer, vorausgesetzt man beschäftigt sich auch ein wenig mit der Materie und den Möglichkeiten bzw. Optionen die die jeweiligen Dienste bieten. Was die Zukunft im Endeffekt bringen wird können wir alle nicht mit letzter Sicherheit vorraussagen, wobei ich diesbezüglich optimistisch und positiv eingestellt bin, allerdings sich einzig und alleine auf einige wenige reichweitenstarke Anbieter zu verlassen halte ich insbesondere für einen Blogger und solche die es noch werden wollen für bedenklich. Es soll auch vereinzelt Unternehmen geben die ihre Webpräsenz zu Gunsten ihrer Facebook Page aufgegeben haben oder aber Blogger die beispielsweise ihr eigenes Blog eingestellt haben mit der Begründung man könne dies genauso gut auf Google+ tun. Meiner Meinung nach schließt das eine das andere nicht aus sondern ergänzt sich sinnvoll, so daß sich eben nicht die Frage nach einem entweder oder stellt, beides sinnvoll miteinander kombiniert halte ich für das Optimum. Somit bewahrt man sich seine Unabhängigkeit, sei es als Unternehmen mit der eigenen Website oder als Person mit dem eigenen Blog über das man selbst die Kontrolle hat.
Jetzt kann man natürlich entgegnen das man wenn man sein Blog bei einem grossen Anbieter betreibt ebenfalls in einer ähnlichen Abhängigkeit ist, zu Recht. Der nie so richtig durchgestartete Dienst Posterous wurde erst kürzlich von Twitter übernommen, er soll wie in bisheriger Form weitergeführt werden aber was daraus wird sieht man erst in Zukunft. Bei einer der mittlerweile größten Bloggingplattformen wie Tumblr ist man selbstverständlich ebenfalls vom Anbieter abhängig, jetzt könnte man anhängen das für WordPress.com als eine der größten Plattformen genau dasselbe gilt. Dieses Blog wird auch direkt bei diesem Anbieter gehostet, allerdings betreibt WordPress nicht nur die eigene Bloggingplattform sondern steht hinter dem weltweit erfolgreichsten Bloggingsystem nebst einer riesigen Entwicklergemeinde und kann auch problemlos als CMS für eine Firmenwebsite dienen. Und mit WordPress als Software auf eigenem Webspace oder gar einem eigenen Server ist man unabhängig wenn man das möchte. Es besteht die Möglichkeit somit von dem Dienst auf die selbstgehostete Plattform umzuziehen und umgekehrt.
Wie kommt es das in insbesondere in Amerika aber auch in anderen Teilen der Welt den Bloggern eine größere Bedeutung zukommt, viel mehr Menschen von ihren Blogs leben können und die Blogoshäre ein wesentlich stärkeres Gewicht im öffentlichen Bewußtsein sowie auch im Vergleich zu den klassischen Medien hat als in Deutschland?
Was die Monetarisierung von Blogs angeht damit deren Betreiber auch die Möglichkeit haben davon ihren Lebensunterhalt zu bestreiten darüber hat Jochen Mai von der Karrierebibel einen sehr interessanten Post geschrieben wo u. a. auch in einem Videobeitrag einer der erfolgreichsten deutschen Blogger, Sascha Pallenberg von Netbooknews, zu Wort kommt – welcher im Übrigen gar nicht mehr in Deutschland lebt. In dem Post werden zu Beginn einige der Dinge angesprochen warum im Vergleich zum Ausland nur so wenige Blogger davon leben können, welche typische Eigenarten hierzulande offenbaren um erst nachher darauf einzugehen wie sich das ändern läßt.
Noch viel weiter und breiter befaßt sich Daniel Rehn in seinem Blog mit der oben gestellten Frage nicht nur zur Monetarisierung, sondern viel mehr der Bedeutung und Gewichtung von Blogs in Deutschland und warum das bei uns so anders ist und er spricht mir aus der Seele. Ich stimme seinem Post im Großen und Ganzen zu und möchte auf einige Aspekte eingehen die mich seit längerer Zeit beschäftigen und zu ähnlichen Schlüssen führten.
Zunächst behaupte ich einfach mal das die Probleme der deutschen Blogoshäre allesamt hausgemacht sind und typisch deutsche Eigenarten offenbaren. Man könnte salopp mit dem Zitat anfangen das die höchste Form der Anerkennung in Deutschland der Neid ist und oftmals dem anderen die berühmte Butter nicht auf dem Brot gegönnt wird. Ausserdem wuseln viele in ihrer Ecke oder Nische vor sich hin und trotz einer re:publica fehlt oftmals eine wichtige Vernetzung und die Gemeinschaft als solches, frei nach dem Motto: Jeder für sich und der liebe Gott für uns alle. Mir ist vollkommen klar das dies vielleicht ein wenig überzogen klingt, aber in weiten Teilen der deutschen Blogosphäre an der Tagesordnung. Das war meiner Meinung nach nicht immer so, es gab einen Silberstreif am Horizont das die Blogger in Deutschland zu einem großen Ganzen werden und dementsprechend ganz anders wahrgenommen. Allerdings ist bedingt durch Social Media die Vernetzung untereinander deutlich zurückgegangen binnen der letzten zwei bis drei Jahre und oftmals hat auch das Engagement darunter gelitten. Wobei man sich einmal nur vor Augen führen muß wie kurzlebig ein Tweet ist, ein geteilter Link in einem Post auf einer Seite bei Facebook oder Google+, die Halbwertzeit ist zwar etwas länger aber doch schon nach kurzer Zeit nicht mehr relevant. Dasselbe gilt nebst den Beschränkungen denen man unterliegt, beim einen mehr und beim anderen weniger, auch für Posts in Sozialen Netzwerken. Was die Archivierung, Bündelung von Informationen und das Wiederfinden betrifft einmal ganz zu schweigen. Schon recht kurz- bis mittelfristig gehen diese Dinge unter und versanden im Web. Als Ausnahme würde ich zum Beispiel Fotocommunities à la Flickr oder neuerdings 500px sehen und Videoportale wie YouTube oder Vimeo, aber das ist dann doch nicht direkt miteinander vergleichbar was Blogposts und/oder Websites anbetrifft in Zusammenhang mit dem oben gesagten.
Der aktuelle Status Quo in Deutschland beeinflußt natürlich auch das Verhältnis zu den klassischen Medien, welches bespielsweise in den USA oder noch viel näher in England ein ganz anderes ist und sich im Tagesgeschäft, den News sowie den verbreiteten Informationen wiederspiegelt. Oftmals sind bekannte Blogs federführend was News und den Informationsfluß anbetrifft sowie meinungsbildend und die klassische Medien beziehen sich dementsprechend darauf, binden sie ein, kooperieren und unterliegen keiner Ignoranz oder beiläufigen zur Kenntnisnahme, sie können sich das auch in Teilen dieser Welt nicht mehr leisten weil sie sonst ins Hintertreffen geraten, in Deutschland ist das allerdings eher weniger so. Nur um einmal ein prominentes Beispiel zu erwähnen, die bekannte Huffington Post (inzwischen von AOL übernommen) nähert sich in ihrem Traffic immer mehr der New York Times.
Einerseits liegt das durchaus darin begründet das wir hier immer ein wenig hinterherhinken was solche Entwicklungen betrifft zum Beispiel im Vergleich zu Amerika und andererseits in einem oftmals eher konservativen Denken und Handeln. Wobei die deutsche Blogosphäre ihren eigenen Anteil dazu beträgt, da gibt es z. B. wie bei der Unterscheidung der Musikindustrie in U(nterhaltung) und E(rnste) Musik auch ein Schubladendenken Blogs betreffend und es wird unterschieden in A-Blogger und andere. Gibt es eigentlich auch B- und C-Blogger? Wenn weitere Schubladen aufgemacht werden bin ich dann G(ay)-Blogger oder wie sieht das aus? Interessanterweise ist ein nicht unwesentlicher Teil der Leser dieses Blogs heterosexuell, noch unentschlossen oder auch bisexuell wie eine selbstdurchgeführte ausreichend repräsentative Umfrage zeigt.
Sicherlich gibt es auch in der deutschen Blogosphäre einige wenige Lichtgestalten, allerdings erscheinen in den Medien auch immer die gleichen Gesichter, ein weiterer Progress und ein breites Spektrum findet nicht statt. Die deutsche Blogosphäre ist nicht nur durch ihr Verhältnis zu den klassischen Medien geprägt sondern auch durch ihr oftmals kleinliches Untereinander und Gegeneinander anstelle eines vorwärtsgerichteten Miteinanders. Es werden Eitelkeiten und Eifersüchteleien auf den erfolgreicheren Blogger als man selbst gepflegt, wer tatsächlich versucht sich klar auch gegenüber den Medien zu positionieren dem wird ein Ausverkauf vorgeworfen, erst recht wenn er tatsächlich versuchen sollte sein Blog zu monetarisieren um sich ganz der Sache widmen zu können was allerdings bedeuted das er irgendwie schließlich in letzter Konsequenz seinen Lebensunterhalt bestreiten müßte.
Es wird innerhalb der deutschen Blogs weniger verwiesen, verlinkt und so etwas wie eine Blogroll (siehe in der Sidebar dieses Blogs rechts unter “Lesenswertes”) ist schon einmal gar nicht mehr en vogue. Wozu auch, könnte der geneigte Leser vielleicht sogar thematisch verwandte Blogs entdecken und nicht mehr das eigene so oft frequentieren anstelle es als Miteinander im Sinne einer positiven Vernetzung und als Service für den Leser zu begreifen dem ich weitere Blogs oder sonstige Quellen empfehle um auch einmal dort vorbeizuschauen weil ihn das vielleicht ebenfalls interessieren könnte. Im Zweifel freut sich der Besucher durchaus darüber weil er ansonsten eventuell gar nicht darauf gestoßen wäre und dankt es demjenigen der verlinkt, versteht es als Service vom Blogger für seine Leser. Warum nicht einmal die Blogs verlinken die man selbst gerne liest aus welchen Gründen auch immer, mag sein das sie vielleicht gar nicht unbedingt zu den Schwerpunktthemen soweit es welche gibt des eigenen Blogs passen, man kann so etwas sogar mischen hörte ich (und kann man an der Blogroll dieses Blogs erkennen). Man hört auch schon mal solche Sätze von anderen Bloggern wie “bringt mir sowieso nichts”, “den verlinke ich schon einmal gar nicht der ist eh bekannt genug”, oder beispielsweise “ich denke darüber nach so etwas irgendwann einmal einzuführen” und ähnliche Dinge.
Ebenfalls so ein leidiges Thema ist die stark nachgelassene Kommentarbereitschaft, das ist sicherlich auch dem Teilen in sozialen Netzwerken geschuldet wo allerdings das mit der Zeit untergeht und nicht zentral wie in einem Blog gebündelt wird. Blogs leben von der Interaktion mit ihrer Leserschaft und nicht nur vom Konsumieren, wo ist das Problem einfach mal ein paar Zeilen zu hinterlassen wo man den Blogpost doch sowieso gerade gelesen hat und sich eine Meinung dazu bildet und/oder hat. Das kann konstruktive Kritik sein, ein Lob, weitere Aspekte aufzeigen und dergleichen mehr. Soviel Zeit sollte doch jeder erübrigen können. Sicherlich gibt es auch Posts wo ein Kommentar eher weniger eine Rolle spielt, aber das sind doch beileibe nicht die Mehrheit der Posts.
Blogger und solche die es werden wollen sollten einfach mehr aufeinander zugehen, mehr miteinander und weniger gegeneinander und nicht dieses kleinliche und oftmals egoistische Denken. Mehr Spass an der Sache sowie gemeinsam nach vorne und noch viel weiter.
In dem Sinne, macht etwas daraus.











