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Wenn eine 10-jährige Tochter zweier Väter Präsident Barack Obama schreibt…
Geschrieben von Magic M.
…und von diesem eine Antwort auf ihren Brief erhält.
So geschehen vor einigen Tagen nach dem Sophia Bailey Klugh einen sehr emotionalen und zu Herzen gehenden Brief an den alten und inzwischen bestätigten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika schrieb. Das kleine Mädchen ist die Tochter eines schwulen Paares und hat dementsprechend zwei Väter, sie bringt in ihrem Brief zum Ausdruck wie sehr sie sich darüber freut das Barack Obama mit seinem Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Ehe ihr Präsident ist. Zum Essen hat sie ihn nebenbei auch eingeladen, richtet Grüße an seine Töchter aus, aber fragt auch was sie sagen soll gegenüber ihren Mitschülern/-innen die ihre familiäre Situation für etwas seltsam und ekelig halten. Das ist ihr Brief (Transkript in der Übersetzung):
Lieber Barack Obama,
ich bin Sophia Bailey Klugh. Ihre Freundin die sie zum Essen eingeladen hat. Sie erinnern sich bestimmt nicht daran, aber das ist in Ordnung. Aber ich wollte Ihnen nur sagen das ich froh darüber bin das sie zustimmen das zwei Männer sich lieben können, denn ich habe zwei Väter und sie lieben sich. Aber in der Schule denken viele Kinder das wäre seltsam und ekelig, aber das verletzt mein Herz und meine Gefühle. Darum wende ich mich an Sie weil sie mein Held sind. Wenn Sie ich wären und zwei Väter hätten welche einander lieben und die Kinder in der Schule sie hänseln, was würden Sie tun?
Bitte anworten!
Ich wollte Ihnen noch sagen das Sie mich wirklich inspirieren und ich hoffe das Sie Präsident bleiben. Sie würden wirklich die Welt zu einem besseren Ort machen.
Ihre Freundin Sophia
P.S. Grüßen Sie ihre beiden Töchter von mir.
Und noch kurz vor der Wahl in den USA hat der alte und neue Präsident darauf am ersten November 2012 persönlich geantwortet.
Antwortbrief von Präsident Barack Obama (Transkript in der Übersetzung):
Liebe Sophia,
vielen Dank das Du mir einen so nachdenklichen Brief über deine Familie geschrieben hast. Ihn zu lesen macht mich stolz dein Präsident zu sein und viel mehr noch zuversichtlich über die Zukunft unserer Nation.
In Amerika sind keine zwei Familien identisch. Wir feiern diese Vielfalt. Und wir erkennen an, das egal ob Du zwei Väter oder eine Mutter hast, was letztendlich zählt die Liebe ist die wir einander geben. Du hast Glück das du zwei Elternteile hast die sich aufrichtig um dich kümmern. Sie wiederum können sich glücklich schätzen eine solch außergewöhnliche Tochter wie Du es bist zu haben.
Unsere Vielfalt vereint uns. Du und ich sind damit gesegnet in einem Land zu leben wo wir alle gleich geboren sind egal wie wir nach aussen hin erscheinen, wo wir aufgewachsen oder wer unsere Eltern sind. Eine gute Regel ist den anderen so zu behandeln wie man hofft von seinem Gegenüber behandelt zu werden. Erinnere deine Freunde in der Schule an diese Regel wenn sie etwas sagen was deine Gefühle verletzt.
Vielen Dank noch einmal dafür das Du dir die Zeit genommen hast mir zu schreiben. Ich fühle mich geehrt deine Unterstützung zu haben und dein Mitgefühl inspiriert mich. Es tut mir leid das ich nicht zum Abendessen kommen konnte, aber ich werde auf jeden Fall Sasha und Malia von dir grüßen.
Hochachtungsvoll
(eigenhändige Unterschrift von Barack Obama)
Würden wir hier in Europa bzw. in Deutschland jemals in einer ähnlichen Situation von einem anderen Staatsoberhaupt etwas Ähnliches lesen? So traurig es klingt, ich wage es zu bezweifeln.
In dem Sinne, unsere Vielfalt vereint uns!
Eine klare Aussprache für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben bei der Ehe…
Geschrieben von Magic M.
…damit hat Barack Obama als erster Präsident der USA diesbezüglich Geschichte geschrieben.
Bei seinem Amtsantritt hatte sich der Präsident zunächst für die eingetragene Partnerschaft (Civil Union) ausgesprochen welche auch in einigen Bundesstaaten verwirklicht wurde ebenso wie mit der Zeit sich einige Staaten für eine Gleichstellung ausgesprochen haben. Allerdings ist man was diese Gleichberechtigung betrifft in vielen Bundesstaaten auch auf erbitterten Widerstand gestoßen und es mußten erlassene Gesetze aufgrund von Volksentscheiden rückgängig gemacht werden wie beispielsweise in Kalifornien. In den USA ist es so geregelt das die Gleichstellung im Eherecht für schwul-lesbische Paare nicht landesweit sondern auf bundesstaatlicher Ebene geregelt wird. Somit gibt es derzeit keine einzeitliche Regelung in den USA.
Gestern passierte dann etwas was in der Form viele nicht für möglich gehalten hätten, denn Barack Obama sprach sich öffentlich für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben im Eherecht aus. Dieser Vorgang ist in der Form einzigartig in der amerikanischen Geschichte da noch keiner der früheren Präsidenten hat etwas ähnliches getan. Das Thema beherrschte schlagartig die Medien und das Echo dauert an. Viele wundern sich das gerade jetzt im Kampf um die Präsidentschaftwahl gegen Ende diesen Jahres sich Obama so klar und eindeutig für die Gleichstellung ausspricht. Das kommt allerdings nicht ganz von ungefähr, denn gewisser Weise wurde er in der letzten Woche von seinem Stellvertreter Joe Biden unter Zugzwang gesetzt welcher sich in einem Interview unerwartet zur Homo-Ehe bekannt hat und verlauten ließ das er kein Problem damit habe. Andererseits gilt es auch zu berücksichtigen das die LGBT-Community bei seiner Wahl große Hoffnungen in ihn gesetzt hat und ihm viele Wählerstimmen einbrachte wovon durchaus bei der anstehenden Wahl etliche wegfallen könnten wenn er es weiterhin bei vagen Ankündigungen bzw. Aussagen belassen würde. Natürlich hat er sich damit bei den streng Religiösen und Konservativen keine Freunde gemacht und das Thema Ehe verstärkt in den Fokus zur Wahl gerückt. In wieweit ihn das jetzt den Wahlsieg kosten könnte oder ob er dadurch Stammwähler festigt und neue hinzugewinnt trotz einem sicheren Verlust von gemäßigt konservativen Wählerschichten kann man z. Zt. schlecht beurteilen. In letzter Konsequenz kann Obama auch nicht über die Eheöffnung für Schwule und Lesben entscheiden, da das jeder Bundesstaat für sich entscheidet wie zuletzt New York. Es besteht wohl die Möglichkeit ein altes Gesetz, das 16 Jahre alte “Gesetz zur Verteidigung der Ehe” (Defense of Marriage Act, DOMA), gegen welches derzeit geklagt wird mit guten Aussichten das es verfassungswidrig sein könnte, für dessen Abschaffung er sich schon in der Vergangenheit aussprach bei einer dementsprechenden Mehrheit im Parlament zu Fall zu bringen. Für die Abschaffung dieses Gesetzes haben sich mit die bedeutensten Schwergewichte der amerikanischen Wirtschaft Ende letzten Jahres mit einer gemeinschaftlichen Initiative ausgesprochen.
Alles in allem bleibt seine Tat ein Novum in der amerikanischen Geschichte, eine klare Ansage sowie ein mutiger und aus Sicht der LGBT-Community begrüßenswerter Schritt. Hier der Vorbericht von gestern Abend mit Auszügen des Interviews bevor in der landesweiten Show des Frühstücksfernsehens “Good Morning America” das komplette Interview veröffentlicht wurde vom TV-Sender ABC News, welcher damit eine Rekordeinschaltquote einfuhr:
Inzwischen haben auch hierzulande darauf Reaktionen eingesetzt und die Grünen sowie Linken haben Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgefordert sich zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu bekennen.
Sehr passend dazu übrigens das Motto des diesjährigen CSD in Köln, dem ColognePride: “Ja, ich will!”
In dem Sinne um es mit den Worten von Obama zu sagen: “Schwul/lesbische Paare sollten heiraten können.”
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